Jonas Wittwer

1988

 

keine Pronomen oder er/ihm

 

Soziale und feministische Erkenntnistheorie, Queer Aktivismus, Vorstandsmitglied bei Reatch


Was begeistert dich am bunt_lieben Projekt?

Als Philosoph interessiert mich speziell, wie Wissen ausgetauscht wird und wie sich Machtmechanismen darauf auswirken. Wohl nicht zuletzt vor diesem Hintergrund ist das bunt_lieben entstanden. Denn wie wir unsere Romantik, Sexualität und Beziehungen gestalten, hat sehr viel damit zu tun, was wir darüber wissen und mit den repressiven Mechanismen, die sich negativ darauf auswirken. So verbinden sich Beruf und queerer Aktivismus an dieser Stelle. 

Wenn du drei Personen aus der Geschichte zum Essen einladen könntest, welche wären das?

Kein Wissenschaftler hat unser Selbstverständnis so sehr verändert, wie einer der ersten Entwickler der Evolutionslehre, Charles Darwin. Er war aber nicht nur ein brillanter Wissenschaftler, sondern hatte auch einen intakten ethischen Kompass, in dem er sich darüber im Klaren war, was die Konsequenzen seiner Erkenntnisse für seine Zeitgenossen waren und sich in seinen Schriften explizit gegen Menschenrechtsverletzungen aussprach. Es gäbe noch weitere Menschen aus der Vergangenheit, die eine spannende Abendgesellschaft wären, doch vermögen mich nur wenige so umfassend zu begeistern wie Darwin. Kant ist ein brillanter Philosophe, doch am Schluss doch ein Kind seiner Zeit und entsprechend rassistisch. Watson und Crick sind zwar hervorragende Wissenschaftler, aber wir würden uns über ihren Sexismus gegenüber Rosaline Franklin zu sehr streiten. Darum wäre wohl ein ausgedehntes Abendessen mit Darwin die beste Wahl. Gerne auch zwei weitere Male.

Ein Buch, das einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat:

Bücher gehören für mich zu meiner täglichen Arbeit. Dies weniger in der Literatur, sondern mehr Fachtexte. Ein Buch, dass nicht nur für Philosoph*innen interessant ist und das meine Arbeit und mein Denken nachhaltig geprägt hat ist: «Epistemic Injustice» von Mirana Fricker, welches Machtmechanismen in Wissensprozessen erklärt. «Kassandra» von Christa Wolf ist wohl das Buch, das mich sprachlich am stärksten zu faszinieren vermochte.

Zu den anderen Teammitgliedern: