
Am allerliebsten laufe ich mit, statt auf einem der grossen Wagen mitzufahren, denn nur so kann ich mit den Menschen persönlich sprechen, Vorurteile abbauen und ihnen meine Welt etwas näher bringen.
Ob im kleinen Lichtensteig, Zürich, München oder zuletzt in Überlingen, oft sind die Menschen entlang der Strecke offen und neugierig. Nicht selten fallen nach einer Weile, spätestens beim Tanzen oder an der Bar, die Hemmung genauer nachzufragen.
So komme ich auch des Öfteren mit Menschen ins Gespräch, die zum ersten Mal an einer Pride sind oder bisher gar keinen Kontakt zur queeren Community hatten. Meistens mit vielen “Ah-” und “Oh-” Effekten, erst recht wenn meine Partnerin dazu kommt und wir über Beziehungen, Ehe, Kinder und Ähnliches sprechen.
Gleichzeitig finde ich es wichtig, sich für die verschiedensten Anliegen einzusetzen, gerade was Konversionsmassnahmen, Intersexualität und trans Rechte betrifft oder um gegen Hass und Hetze zu demonstrieren. Aufzuzeigen, dass die aktuelle Politik queere Anliegen und Lebensmodelle nicht oder zumindest nicht gut genug berücksichtigen, die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern zwar im Bewusstsein ist, aber von Gleichstellung nach wie vor noch weit entfernt ist, das ist mir wichtig.
Über intersexuelle Menschen wird oft gesprochen, berücksichtigt werden sie aber nirgends. Über trans Frauen werden Halbwahrheiten verbreitet oder es wird sich an einem extremen Fall wochenlang abgearbeitet, auch medial. Wie ihre Lebensrealität aussieht, mit welchen Anfeindungen tagtäglich umgegangen werden muss, dass dabei auch weitere Personen bzw. Familienmitglieder unter die Räder kommen ist nur wenigen bewusst.
Dagegen braucht es nicht nur eine Stimme. Es braucht auch jemanden, der zeigt und vorlebt, dass wir nicht das Böse sind, dass wir nur in Ruhe leben wollen und am liebsten das tun, was hetero Paare permanent in der Öffentlichkeit tun: zueinander stehen, Händchen halten und und uns beim Verabschieden küssen.
Schlussendlich gehe ich natürlich auch, um endlich mal Spass haben zu können, ohne laufend ausgegrenzt oder permanent blöd angemacht oder angegrabscht zu werden. Einfach nur tanzen in einem für mich relativ sicheren Raum, bei dem sich auch meine Partnerin oder Freundin wohl fühlen dürfen und können. Zusammen Spass haben, über Themen zu reden, für die ein öffentlicher Ort eher ungeeignet ist.
Schreib uns doch in die Kommentare, warum es dir wichtig ist an die Pride zu gehen oder vielleicht auch warum Prides nicht so das für dich sind.
Text: Bella
Lektorat: Jonas
Gegenkontrolle: Maria
Dieser Text gibt eine persönliche Perspektive wieder, welche nicht zwingend mit derjenigen des Vereins oder seiner Mitglieder übereinstimmen muss.

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