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Grenzen setzen in Beziehungen - wie nicht damit umgegangen werden soll

Content-Note: 

  • In diesem Text geht es um gesetzte Grenzen, welche nicht akzeptiert oder respektiert wurden. Bitte schau, ob du wirklich Kapazitäten hast, diesen Text zu lesen.
  • Es geht in diesem Text um Erfahrungen in früheren Beziehungen und nicht um Erlebnisse mit aktuellen Beziehungsmenschen (wie z.B. Jonas).

Grenzen sind in Beziehungen immer wieder wichtig und über Konsens wird viel gesprochen. Ich wünsche mir jedoch auch mehr Reflexion dazu, wie auf Grenzen reagiert wird.

 

Mir fällt es nicht ganz leicht, Grenzen zu setzen. Vor allem, wenn es um Grenzen geht, bei denen ich nicht will, dass sie als Ablehnung verstanden werden.

Doch wenn ich so darüber nachdenke, erschreckt mich noch mehr als die Schwierigkeit, überhaupt Grenzen zu setzen, die Tatsache, wie heftig bereits auf mein Grenzensetzen reagiert wurde (dieser Text enthält Beispiele aus eigener Erfahrung).

Die aufgeführten Beispiele liegen teilweise viele Jahre zurück und ich habe in der Zwischenzeit auch viel dazugelernt. Mit manchen Situationen würde ich heute anders umgehen als damals. Dabei möchte ich jedoch nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass mit meinen Grenzen nicht respektvoll umgegangen wurde. Gerade in Beziehungen (hier nur solche Fälle), sind oft viele Emotionen und vielleicht auch bestehende Konflikte involviert, was die Situationen komplexer macht, als ich sie hier darstellen kann.

 

Mit diesem Blogbeitrag möchte ich belastende Situationen sichtbar machen, um Menschen, die vielleicht Ähnliches erlebt haben, zu zeigen, dass sie nicht alleine sind und um zugleich mehr Bewusstsein zu schaffen, achtsam mit den Grenzen anderer umzugehen.

 

Ich bin der Ansicht, dass eine gesetzte Grenze erst einmal einfach zu akzeptieren ist. Klar gibt es Situationen, in denen es wichtig sein kann, später über die Grenze und die Gründe dafür zu sprechen. Ich kann das z.B.  so ausdrücken: “Ich akzeptiere deine Grenze und halte sie ein. Ich habe aber noch Fragen/Gesprächsbedarf dazu. Wärst du zu einem Austausch bereit und wenn ja, wann und in welcher Form?”.

Wenn diese Bereitschaft nicht vorhanden ist, kann Grenzensetzen auch missbraucht werden, um sich nicht mit dem Gegenüber auseinandersetzen zu müssen oder Verantwortung in einer Beziehung zu verweigern. 

 

“Stell dich nicht so an”

Das Nachfragen, wieso eine Grenze gesetzt wurde, sollte nicht dazu genutzt oder missbraucht werden, die grenzensetzende Person umzustimmen.

"Ich finde diesen Witz nicht lustig und ich will darüber nicht lachen."

In diesem Beispiel kann es sinnvoll sein nachzufragen, wieso das so ist. Vielleicht kann die Gelegenheit auch genutzt werden, um sich mit Rassismus und anderen -ismen auseinanderzusetzen.

 

Mit Genervtheit zu reagieren, mich als stur zu bezeichnen und die Grenze nicht zu akzeptieren, weil es um ein Prinzip (nicht-rassistisches Handeln) und nicht nur um den einzelnen Witz geht, finde ich jedoch nicht in Ordnung.

 

Diese Situation habe ich erlebt, als ich etwa 20 Jahre alt war. Heute könnte ich deutlich besser reagieren und meine Grenze klarer benennen.

 

“Versteh ich nicht, akzeptier ich nicht”

Auch der Zeitpunkt einer Nachfrage ist wichtig. Wenn die Grenze gesetzt wurde, dass der gemeinsame Morgen etwas früher enden wird als ursprünglich geplant, dies zwar erklärt, aber nicht vollständig verstanden oder akzeptiert wurde, macht es wohl wenig Sinn,  beim Verabschieden zwischen Tür und Angel nochmal zu erwähnen, dass die Verkürzung nicht verstanden wird. Das gab mir vor allem ein schlechtes Gefühl auf den Weg und konnte in dieser Situation ohnehin nicht geklärt werden. Sinnvoller wäre gewesen, nochmals darüber nachzudenken, weshalb diese eine Stunde so entscheidend ist, worum es dabei eigentlich geht, vielleicht auch mit anderen Personen darüber zu sprechen und dann zu einem geeigneten Zeitpunkt in Ruhe das Gespräch suchen.

 

Diese Situation habe ich vor ein paar Jahren erlebt. Heute würde ich stärker darauf achten, wenn etwas zwar  “nicht verstanden”, aber auch “nicht akzeptiert” wird, und dafür bewusst einen ruhigen Rahmen für ein Gespräch schaffen.

 

“Wieso, wieso, wieso”

Wenn sich Beziehungen verändern und viel Unsicherheit und Verlustangst involviert sind, kann der Umgang mit gesetzten Grenzen schwierig sein. Gerade dann können auch Verletzungen entstehen. Wird die Grenze gesetzt, dass ich nicht wie gewohnt bei der anderen Person übernachten möchte, weil gerade zu viel Spannungen in der Beziehung vorhanden sind und sich das für mich nicht sicher oder gut anfühlt, dann ist nachvollziehbar, dass dies verletzend sein kann und vielleicht stark im Kontrast zu dem steht, was die andere Person gerade braucht. Gerade wegen dieser schwierigen Situation hätte ich mir jedoch gewünscht, dass die Grenze einfach angenommen wird und nicht immer weiter nachgefragt wird. Dieses ständige Nachfragen hat bei mir viel Druck ausgelöst. Zudem entstand dadurch das Gefühl,  Grenzen nur setzen zu dürfen, wenn ich sie perfekt begründen kann.

 

Diese Situation habe ich mit derselben Person wie im obigen Beispiel erlebt. Heute würde ich mich in einer Situation mit so vielen Unsicherheiten und Ängsten nicht auf eine Diskussion über die Grenze einlassen, sondern bewusst Raum schaffen, um über die Spannungen zu sprechen. Auch, weil ich inzwischen besser darin bin, wiederholte Verhaltensweisen als Muster zu erkennen und  “Vorboten”  solcher Grenzüberschreitungen früher wahrnehme. 

 

Wie gesagt, hier sind einfach ein paar negative Beispiele aufgeführt, die ich in den letzten  Jahren erlebt habe. Es gäbe noch weitere. Gleichzeitig gäbe es aber auch viele Situationen zu beschreiben, in denen meine Grenzen sehr gut angenommen wurden oder in denen ich mich sicher gefühlt habe, überhaupt Grenzen zu setzen. Vielleicht gibt es dazu irgendwann noch einen eigenen Blogbeitrag. 

 

Kennst du ähnliche Reaktionen auf deine gesetzten Grenzen? Welche Reaktion hättest du dir stattdessen gewünscht? Hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie du selbst auf die Grenzen anderer reagierst? 

Du kannst mir schreiben auf [email protected] wenn du diese Gedanken ebenfalls in einem Blogbeitrag verarbeiten möchtest. 

 

Text: Anina

Gegengelesen: Jonas, Elena, Maria


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