Die Geschichte geschah 2025 an einem Open-Air in Deutschland. Mein Fuss war verletzt und so wartete ich auf Anina, die zurück zum Zelt ging, um einige Kleider zu holen. Neben mir sass eine sehr junge, weiblich gelesene Person, welche sehr den allgemein verbreiteten Schönheitsidealen entsprach. Etwas davon entfernt sass eine Gruppe von männlich gelesenen Personen, wohl so Ende 30, laut, angetrunken und sehr „mackerig". Ich glaube, wir dürfen in diesem Fall mit sehr gutem Gewissen annehmen, dass es Cis-Männer waren.
Was dann kam, war zu erwarten. In voller Lautstärke wurde der Körper der jungen Person kommentiert. Ich schritt sofort ein. Neben uns waren die Sicherheitskräfte und das Open-Air hatte klare Spielregeln in Bezug auf sexualisierte Gewalt gegeben. Ich sagte klipp und klar, ob ich die Sicherheitskräfte holen müsste oder ob sie von selbst aufhören würden. Die junge Person bedankte sich. Natürlich mussten die beiden noch ein bisschen „rummackern", aber die Sache war gegessen.
Kurz darauf begegnete ich den Männern wieder an einer anderen Stelle. Gross wurde mir nun erklärt, dass sie ja St.-Pauli-Fans seien und dass sie alles ganz super fänden. Aber das, was ich gemacht habe, wäre ja schon „Too Much Rainbow". Schon krass, wenn das Einschreiten bei sexuellen Übergriffen als „Too Much Rainbow" verstanden wird. Was mich dann an folgendes Meme erinnerte:
„Ist der Feminismus zu stark, bist du zu schwach?"
Von hier aus habe ich dann mit Anina zusammen weitergedacht, wie mit solchen Situationen umzugehen wäre. Klar, die Priorität hatte der Schutz der jungen Person. Zentral war es, unmissverständlich zu signalisieren, dass sie nicht alleine war, ihr zugleich Raum zu geben, sich selbst zur Wehr zu setzen usw. Nicht aber den paar „Dudes" eine Lektion in Anstand zu geben, die wirklich funktioniert. Denn mit dem Selbstbild, das sie hatten – dass sie als St.-Pauli-Fans ja nicht so schlecht sein könnten und es ja doch irgendwie okay ist, zu diskutieren, ob die Person „zu dünn" oder „genau richtig" wäre –, erreiche ich wohl nichts, wenn ich in die volle Konfrontation gehe.
Wenn wir aber die Welt wirklich verändern wollen, müssen wir wohl einen Weg finden, hier ins Gespräch zu kommen. Denn es genügt nicht, wenn eine Handvoll Männer ihr Verhalten reflektiert und sich verändert. Was wir brauchen sind wohl genau diese Art von Männern, bei denen irgendwo schon ein Ansatzpunkt da ist, dass andere Menschen auch Rechte/Wünsche/Bedürfnisse haben und nicht nur sie selbst.
Ein Weg, der funktionieren könnte, sind nicht konfrontative persönliche Gespräche. Vor der jungen Person, vor den angetrunkenen Leuten, die herumstehen, wird kaum einer der Männer einen Schritt zurück machen und realisieren, dass sie gerade übergriffig waren. Hier muss ein Selbstbild aufrechterhalten werden, dass sie alles richtig gemacht hätten. Aber vielleicht gibt es einen Weg, wie wir der Person etwas mehr Raum geben können, um anzuerkennen, dass ihr Verhalten vielleicht ein klein wenig Scheisse war.
Habe ich sonderlich Lust auf solche Gespräche? NEIN. Will ich, dass sich die Welt verändert? JA! Und ich glaube, genau darum müssen wir als Community mehr über solche Interventionen nachdenken: Wie und was könnte zielführend sein? Nicht auf Kosten einer Person, die gerade unmittelbar sexualisierte Gewalt erfährt. Aber vielleicht manchmal auf Kosten unserer Geduld und guten Laune und sogar teilweise in unsere Integrität. Die Forderung, dass dies in erster Linie die Aufgabe privilegierter Cis-Männer wäre, teile ich. Aber in der Realität fehlen uns diese Männer, also müssen wir es wohl oder übel selber tun.
Was denkst du? Wie sollten wir hier vorgehen, damit sich was verändert? Wie haben wir die Energie dazu, immer wieder einfachste Grundlagen den Leuten zu erklären? Und wo bringt es überhaupt was? Und wo müssen wir einfach mit Sanktionen arbeiten?
Schreib mir doch deine Gedanken in die Kommentare.
Text: Jonas

Kommentar schreiben
bunt_lieben (Samstag, 30 Mai 2026 08:18)
Wir haben zu diesem Beitrag einen Kommentar entfernt, der ziemlich sicher komplett von einer KI geschrieben wurde.
Wir freuen uns auf authentische Impulse und gehen auf dieser Grundlage auch sehr gerne in ein Gespräch mit euch.