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Eltern - Wir schulden ihnen nichts

Wie viele andere Menschen habe auch ich ein eher schwieriges Verhältnis zu meinen Eltern. Während ich dies mit einem Elternteil in den letzten Jahren klären konnte, habe ich zum anderen Teil den Kontakt vollständig eingestellt. Eine Entscheidung, die ich zu keinem Zeitpunkt bereue.

Vor diesem Hintergrund habe ich mich immer wieder mit der Frage beschäftigt, welchen Anspruch Eltern überhaupt auf ihre Kinder haben können. Eine Debatte, welche z.B. unter dem Stichwort «Special Obligation» auch in der Philosophie geführt wird.

Vorneweg: Ich kenne mich im Fachdiskurs dazu nur wenig aus, zu sehr haben mich in den letzten Jahren andere Themen in Anspruch genommen. So werde ich hier eher auf meine privaten Gedanken eingehen und weniger auf das, was ich als Philosoph*in sagen würde.

 

Mir scheint es, als gäbe es in vielen Kulturen die Idee, dass Kinder ihren Eltern eine Art Dank schulden. Immerhin wären wir nicht auf der Welt ohne sie. Ein Gedanke, der für mich total absurd ist. Eltern haben (zumindest in den meisten Fällen) die Wahl, ob sie Kinder wollen oder nicht. Wir als Kinder haben nie gewählt, ob wir geboren werden wollen. Das mag trivial klingen, doch ist dieser Punkt für mich zentral. Denn für mich fällt so jede besondere Verpflichtung weg, welche ein Kind seinen Eltern gegenüber haben könnte. Umgekehrt scheint mir, dass Eltern sehr wohl Verpflichtungen gegenüber ihren Kindern haben. Denn sie haben sich für diese entschieden. Daher denke ich, dass beschissenes Verhalten von Eltern nicht im geringsten eine Sonderbehandlung verdient hat. Wir sollten sie behandeln wie andere Menschen, die uns nicht gut tun. 

 

Dass dies in der Praxis oftmals sehr schwer ist, ist mir klar. Auch ich brauchte viele Jahre, um das Verhältnis zu einem Elternteil komplett zu lösen. Ich wäre froh gewesen, wenn es in unserer Gesellschaft stärkere Bilder gegeben hätte, dass wir auch Eltern Grenzen setzen sollten. Was mich zum Kerngedanken dieses Posts führt:  Brauchen wir mehr sozialen Support, um mit Eltern mit negativem Einfluss den Kontakt abzubrechen? Wenn ja, in welcher Form? Mehr Dokus über Menschen, welche den Kontakt abgebrochen haben? Beratungsstellen genau für diese Fragen? Workshops dazu? Was denkst du ? Schreib es mir die Kommentare. 

Text: Jonas

Gegenkontrolle: Thomas, Jenny, Anina

 

 

Dieser Text gibt eine persönliche Perspektive wieder, welche nicht zwingend mit derjenigen des Vereins oder seiner Mitglieder übereinstimmen muss.

 


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Kommentare: 2
  • #1

    Bella (Freitag, 20 Februar 2026 17:56)

    Mehr sozialen Support aber auch Vorbilder wären ganz gut, damit unsere Abgrenzung zu den Erzeugern nicht automatisch in Schuldgefühlen enden, insbesondere durch Meinungen von aussen.
    Wie Jonas geschrieben hat, wir konnten sie uns nicht aussuchen, wie wir auch unsere Identität oder Sexualität nie ausgesucht haben. Auch auf welchem Flecken Erde wir zur Welt gekommen sind, stand nie in unserer Macht.

  • #2

    Jonas (Samstag, 21 Februar 2026 06:56)

    Danke dir Bella für deine Gedanken :)