Der Begriff Intersektionalität (Crenshaw, 1989) beschreibt, dass sich verschiedene Diskriminierungsformen nicht einfach addieren, sondern neue, spezifische Erfahrungen erzeugen. [1] Am Beispiel einer lesbischen Frau lässt sich zeigen, dass die Überschneidung von Sexismus und Queerfeindlichkeit eine eigenständige Diskriminierungsform schafft, die sich nicht auf die Summe ihrer Teile reduzieren lässt.
Fallbeispiel: Sexuelle Belästigung lesbischer Frauen
Situation: Sophia, eine lesbische Frau, wird gemeinsam mit ihrer Freundin Jennifer von einem unbekannten Mann mit der Frage konfrontiert: „Geil, wollt ihr einen Dreier?“
Einordnung:
- Sexismus: Sophia wird als Frau auf ihren Körper reduziert und als Objekt männlicher Begierde benutzt.
- Queerfeindlichkeit: Ihre lesbische Identität wird ignoriert – die Beziehung zu Jennifer dient im Diskurs des Mannes lediglich als Projektionsfläche für heterosexuelle Fantasien.
Intersektionale Perspektive: Sophias Erfahrung ist nicht deckungsgleich mit der sexuellen Belästigung heterosexueller Frauen oder der Diskriminierung schwuler Männer. Stattdessen entsteht eine spezifische Form der Diskriminierung, die nur lesbische Frauen in dieser Konstellation erleben: Die gleichzeitige Degradierung als Frau und als queere Person führt zu einer eigenständigen Diskriminierungserfahrung, die sich aus dem Zusammenspiel beider Faktoren ergibt.
Intersektionalität im Aktivismus: Wissenschaft vs. Alltagsverständnis
In der Alltagssprache verschiedener aktivistischer Kreise wird jedoch das Wort Intersektionalität oft als Synonym verwendet, dass eine Person von mehreren Diskriminierieungsformen betroffen ist. Damit erfassen wir aber eben nicht, dass nur weil wir Sexismus und Queerfeindlichkeit verstehen wir auch das Zusammenspiel der beiden Formen verstanden haben. Daher ist es wichtig sich mit solchen Konzepten wie Intersektionalität in ihrer wissenschaftlichen Bedeutung zu beschäftigen.
Den Unterschied von Intersektionalität und Addition stellen wir dir unten in der Graphik nochmals dar.
[1] Crenshaw verwendet in ihrem Text unter anderem das Beispiel von Schwarzen Frau, welche bei General Motors entlassen wurde S. 141–143.
Text: Jonas
Gegenkontrolle: Jenny, Seraphine, Anina
Literatur:
Crenshaw, Kimberle (1989). “Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics”. In: University of Chicago Legal Forum 1989.1, pp. 139–167. doi: 10.4324/9780429499142-5
Dieser Blogbeitrag beruht auf verschiedenen Social-Media Posts von uns. Die letzte Version erschien am 29. Mai 2023 auf Instagram.

Kommentar schreiben