Immer wenn ich über Polyamorie und allgemein das Thema offene Beziehungen sprechen soll, kommt die Frage auf, ob ich denn nicht eifersüchtig sei, wenn ein Lieblingsmensch von mir Zeit mit anderen verbringt. Ich bin dann jeweils etwas ratlos, weil mir diese Emotion so fremd ist.
Wenn eine Lieblingsperson nicht bei mir ist, dann finde ich das schon auch doof. Aber es ist für mich nichts anderes, ob sie jetzt irgendwo mit einem anderen tollen Menschen unterwegs ist oder einfach in der Bibliothek Bücher katalogisiert. Denn was zählt ist, dass sie nicht da ist und mir langweilig ist. Oder ich hatte einen mühsamen Tag und darum jetzt das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit.
Bei vielen anderen Menschen scheint das anders zu sein. Eifersucht wird mit Verlustangst verbunden. Doch dieses Gefühl erschliesst sich mir nicht, weil ich keine Verbindung mache zwischen dem, was meine Lieblingsmenschen mit anderen Menschen machen und ihrem Verhältnis zu mir. Oftmals ist es für mich auch eher eine Erleichterung, wenn meine Beziehungsmenschen auch Zeit mit anderen verbringen, denn es nimmt mir das Gefühl, für jeden Teil ihrer Wünsche mitverantwortlich zu sein.
Wenn ich solche Dinge erzähle, habe ich dann aber oft das Gefühl, dass dies für andere Menschen nicht so wirklich nützlich ist. Daher versuche ich es dann noch auf einem anderen Weg.
Ich erzähle, dass ich einen Zusammenhang sehe zwischen Eifersucht und dem Bild, dass andere Menschen einem gehören könnten. Dass eine Art Besitzanspruch ein positives Zeichen für Liebe wäre. Vielleicht würde es sich lohnen, sich selber zu fragen, wie solche Bilder uns beeinflussen können. Besonders dann, wenn uns diese nicht sehr sympathisch sind.
Der andere Punkt, auf den ich jeweils auch eingehe, ist dann zu sagen, dass wir uns fragen müssen, woher die Unzufriedenheit mit einer Situation kommt. Warum möchte ich jetzt, dass eine bestimmte Person gerade bei mir ist? Geht es vielleicht darum, dass ich einfach keine Lust habe alleine zu sein? Oder wurde vielleicht ein Konflikt mit dieser Person noch nicht wirklich ausgetragen?
Ich weiss nicht, ob dir als lesende Person diese Gedanken helfen. Ich hoffe es ein wenig. Aber vielleicht magst du mir ohnehin helfen, zum Thema Eifersucht + Polyamorie noch etwas tiefer zu gehen? Vielleicht kennst du das Gefühl Eifersucht etwas besser und hast Lust es mir so zu erklären, dass wir einen weiteren Blogbeitrag schreiben können? Was meinst du? Schreib mir doch auf [email protected]
Text: Jonas
Gegenkontrolle: Thomas, Anina
Dieser Text gibt eine persönliche Perspektive wieder, welche nicht zwingend mit derjenigen des Vereins oder seiner Mitglieder übereinstimmen muss.

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Marco (Samstag, 24 Januar 2026 11:26)
Ich kenne das Gefühl von Eifersucht sehr gut – und lange Zeit habe ich mich dafür geschämt oder versucht, es wegzudrücken. Erst mit der Zeit habe ich verstanden, dass es bei mir selten um die andere Person oder die konkrete Situation geht. Die Wurzeln liegen viel tiefer, in meiner Kindheit, in Erfahrungen von Verlust, Unsicherheit und dem stillen Gefühl, nicht wirklich wichtig oder ersetzbar zu sein.
Wenn diese alten Ängste berührt werden, meldet sich die Eifersucht fast automatisch. Heute versuche ich, sie nicht mehr als etwas „Schlechtes“ zu sehen, sondern als Signal: Da ist ein verletzter Teil in mir, der Angst hat, wieder übersehen oder verlassen zu werden. Anstatt dagegen anzukämpfen, hilft es mir, innezuhalten, mich selbst ernst zu nehmen und mir die Frage zu stellen, was ich in diesem Moment eigentlich brauche – Nähe, Sicherheit, Bestätigung oder einfach Mitgefühl mit mir selbst.
Für mich ist Eifersucht deshalb weniger ein Zeichen von Misstrauen gegenüber anderen, sondern ein Hinweis auf alte Wunden, die noch Aufmerksamkeit brauchen. Sie anzuerkennen fühlt sich nicht immer leicht an, aber es ist ein wichtiger Schritt, um liebevoller mit mir selbst umzugehen.